Wasserinteressenten-Gemeinschaft Sögtrop e. V.

Der Beginn einer gemeinsamen Wasserversorgung für einige Häuser in Sögtrop lässt sich genau datieren. Es war der 28. November 1897. An diesem Tag schlossen fünf Grundstückseigentümer mit dem Landwirt Wilhelm Körneke einen Vertrag, eine Quelle „Am Eickhagen“ zu erschließen und eine gemeinsame Wasserleitung über das Grundstück zu einem Wasserbehälter zu verlegen.

In den 1950er Jahren wurde eine zusätzliche Quelle im „Grassiepen“ erschlossen und anschließend im Ort ein neues Leitungssystem mit PVC-Rohren verlegt. Danach übernahm Anton Körneke den Vorsitz der Interessentengemeinschaft. Der erste Schriftverkehr mit dem Gesundheitsamt datiert vom Mai 1978 und hat u. a. folgenden Inhalt:

Durch die Trinkwasseranlage Sögtrop werden etwas 70 Einwohner und ca. 60 Stück Großvieh versorgt. Der jährliche Wasserverbrauch wird mit 3.500 – 4.000 cbm angegeben. Wasserzähler sind keine vorhanden. An Wassergeld wird eine jährliche Pauschale von 50,- DM je Hausanschluß erhoben. Die alte Quelle „Am Eickhagen“ wurde 1976 neu gefasst und die Quelle „Grassiepen“ 1968…

Die Quelle „Am Eickhagen“ wurde 1976 in 2 m Tiefe durch einen 8 m langen Siekerstrang gefasst. Das gesamte Einzugsgebiet besteht aus Schnittwiese, die nicht mit Natur- oder Kunstdünger beschickt wird, allerdings im Spätherbst beweidet würde…

Der Hochbehälter wurde 1910 erbaut. Er hat eine Kammer mit einem Fassungsvermögen von 7 cbm. Ein vorschriftsmäßiger Deckel ist nicht vorhanden…

Das Einzugsgebiet „Am Eickhagen“ darf im Herbst nicht beweidet werden.

Ab diesem Zeitpunkt fanden erstmals in unregelmäßigen Abständen Wasserschauen und Untersuchungen statt. Der Hochsauerlandkreis verwies in diesem Zusammenhang auf die Verpflichtung zur Selbstüberwachung gem. § 50 Wassergesetz des Landes NRW.

Ende des Jahres 1978 übertrugen die Anschlussteilnehmer Josef Lumme-Leineweber die Interessenvertretung. Es wurde angeregt, einen neuen, zukunftsfähigen und ausreichend großen Hochbehälter zu bauen, da die Wasserversorgung in der trockenen Sommerperiode (Vorrat 7 cbm) immer wieder zu Engpässen führte. Dieses Vorhaben wurde Anfang 1979 direkt in die Tat umgesetzt, nachdem Anton Körneke sich bereit erklärt hatte, eine Fläche aus dem alten Hohlweg Richtung Buchholz, in der Nähe einer alten Steinkuhle, der Wassergemeinschaft zu überlassen. Es entstand in kürzester Zeit ein moderner Hochbehälter – für damalige Verhältnisse -  mit einem Fassungsvermögen von 40 cbm. Die Kosten beliefen sich auf ca. 20.000 DM. Hinzu kam als Eigenleistung eine hohe Anzahl an Arbeitsstunden.

Einige Jahre später wurde direkt angrenzend an den Hochbehälter ein Tretbecken errichtet und 20 Jahre später, 2003, eine attraktive Schutzhütte. Bis zum heutigen Tage ist der Vorplatz des Wasserbehälters nicht nur Treffpunkt für  sonntägliche Frühschoppen, sondern auch immer wieder Ziel angesetzter Wanderungen.

Nach dem neuen Hochbehälterbau im Jahre 1979 wurden erstmals in den 12 angeschlossenen Häusern Wasserzähler installiert. Die erste Abrechnung erfolgte für den Zeitraum November 1979 bis April 1980 und ergab einen Verbrauch von 1.678 cbm. Der Wasserpreis lag bei 0,50 DM je cbm, wurde jedoch zur Hälfte auf die eingebrachten Geldmittel (je Haus 1.100 DM) angerechnet. Somit erfolgte auch in den Folgejahren ein Rückfluss der zur Verfügung gestellten Gelder. Nach und nach schlossen sich auch weitere Häuser der Versorgungsgemeinschaft an. Sie mussten einen einmaligen Anschlussbeitrag zahlen.

Ab 1987 erfolgte die Protokollierung der Wasserversammlungen, die alljährlich im Gasthof Wollmeiner in Mönekind stattfanden. Der durchschnittliche Wasserverbrauch lag nun bei ca. 10 cbm pro Tag bei 84 versorgten Einwohnern. Auch wurde auf Drängen des Hochsauerlandkreises zu diesem Zeitpunkt erstmals über die Gründung eines Vereins nachgedacht, jedoch nicht für erforderlich erachtet, ebenso wenig wie der Beitritt zum „Verein der freiwilligen Wasserversorger“ der Stadt Schmallenberg.

Ende des Jahres 1990 fanden Verhandlungen mit dem Landwirt Josef Hoppe zwecks Erschließung neuer Quellen im Bereich Gassiepen und Delmart statt. In diesem Zusammenhang wurde auch auf Drängen des Hochsauerlandkreises nun doch die Gründung eines eingetragen Vereins in Betracht gezogen. Bereits am 27. Januar 1991 fand die Gründungsversammlung mit Verabschiedung der erforderlichen Satzung statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 17 Mitglieder und wählt erstmals einen Vorstand, der sich wie folgt zusammensetzte:

Vorsitzender: Josef Körneke; Stellvertreter: Josef Riekes; Schriftführer und Kassierer: Josef Lumme; Wasserwart: Manfred Mester.

Umgehend wurde mit den Arbeiten der Quellfassung in der Delmart begonnen. 1.000 Meter Leitungsnetz und umfangreiche Einfassungsarbeiten waren zu erledigen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 20.186 DM und wurden durch eine einmalige Umlage in Höhe von 1.300 DM sowie erhebliche Eigenleistungen erbracht. Ende Mai 1991 wurde das erste Wasser aus der neuen Quelle bezogen und mit einem gebührenden Wasserfest gefeiert. Seitens des HSK wurde die Wasserentnahmegenehmigung für 20 Jahre erteilt.

Neue Mitglieder, die sich bisher über Einzelquellen selbst versorgt hatten, traten dem Verein bei und mussten einen einmaligen Anschlussbeitrag in Höhe von 2.500 DM einzahlen. Die Rücklagen verbesserten sich kontinuierlich, um auch für spätere Investitionen gerüstet zu sein, und der Wasserpreis konnte weiterhin bei 0,50 DM stabil gehalten werden.

Da für den Ort Sögtrop die Erschließung eines neuen Wohngebietes vorgesehen war, sollte nach Auffassung der Stadt Schmallenberg die Wasserinteressenten-Gemeinschaft (WIG) die Wasserversorgung für die neuen Wohngebäude sichern. Gegen die geplante Änderung des Flächennutzungsplanes bestanden keine Bedenken, jedoch sollte zum Zweck der erforderlichen Wasserversorgung vorerst eine regelmäßige Messung der Wassermenge erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt versorgte die WIG 22 Häuser und rd. 100 Personen mit über 4.300 cbm Trinkwasser.

Nach Jahren zeigte sich, dass auf Grund zu geringer Baunachfrage das Baugebiet vorerst nicht erschlossen wurde.

Im Jahre 1998 wurde Sögtrop an die öffentliche Abwasseranlage der Stadt Schmallenberg angeschlossen. Zum Zwecke der Abrechnung wurde ab diesem Zeitpunkt die Meldung der Wasserverbräuche an die Kommune erforderlich. Am 1. Mai des Jahres fand zum 100jährigen Bestehen der ersten Versorgungsgemeinschaft ein großes Wasserfest statt.

Inzwischen war der Verein auch der „Arbeitsgemeinschaft der nichtstädtischen Wasserversorgung im Stadtgebiet Schmallenberg“ beigetreten. Die Auflagen des HSK-Gesundheitsamtes und die damit verbundenen Kosten der Wasseruntersuchungen belasteten die WIG enorm. In diesem Zusammenhang wurde die Installation einer UV-Anlage  (Kosten ca. 10.000 DM) zur Wasserentkeimung diskutiert, jedoch auf Grund der hohen Folgekosten abgelehnt. Auch war es inzwischen unerlässlich geworden, Vorstandsmitglieder der WIG in Sachen Trinkwasser weiter zu schulen.

Zeitgleich mit der Umstellung von DM auf Euro wurde zum 1. Januar 2002 eine Wasserpreisanpassung durchgeführt, und zwar je cbm auf 0,30 €, sowie ein Grundpreis von 16,00 € beschlossen. Die Anschlussgebühr für neue Bauvorhaben betrug 770,00 €.

Durch regelmäßige Arbeitseinsätze war die Dorfgemeinschaft bemüht, die Kosten niedrig zu halten. Umbauten und Modernisierungen im und am Hochbehälter waren dabei unerlässlich. Die bisher genutzte Quelle „Grassiepen“ wurde von der Wasserversorgung abgekoppelt, da die Wasseruntersuchungen immer wieder Belastungen nachwiesen.

Im Jahre 2003 regelten die WIG-Sögtrop und der Wasserbeschaffungs-Verband Kirchrarbach vertraglich, sich gegenseitig für den Fall einer Versorgungsunterbrechung auszuhelfen.

Im Juli 2008 wurde gemäß den Auflagen des HSK eine Ultrafiltrationsanlage (UF-Anlage) für über 7.000 € installiert. Seitens des HSK wurde vermerkt: …Die von der WIG vorgelegte Dokumentation der Aufbereitungsanlage ist umfassend und aussagekräftig. Das zur Einsicht vorgelegte Betriebstagebuch wird von den Vertretern des Gesundheitsamtes als vorbildlich bezeichnet…

Der Vorstand der WIG, 1. Vorsitzender: Bernhard Riekes; 2. Vorsitzender: Thomas Wiese; Schriftführer u. Kassierer: Andreas Senger und Wasserwart: Markus Gödde, zeichnet Ende des Jahres 2010 und darüber hinaus verantwortlich für 25 Anschlussteilnehmer mit rd. 4.000 cbm Trinkwasserverbrauch und einem Vereinsvermögen von rd. 12.000 €.

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