Der 2. Weltkrieg um und in Sögtrop

Der grausame 2. Weltkrieg hat auch in unseren Dörfern tiefe Wunden geschlagen, angefangen von den gefallenen und verwundeten Familienangehörigen bis zu den Verlusten an Hab und Gut in der Heimat.

Am meisten betroffen waren die Orte Dornheim, Föckinghausen, Hanxleden und Oberrarbach.

Anfangs hatten alle die Hoffnung, dass der Krieg bald vorbei und unsere Dörfer nicht berühren würde. Aber bald schon mussten die ersten Männer zum Kriegsdienst einrücken. Die Sorge um die im Feld stehenden Soldaten bestimmte fortan den Alltag der Familien. Junge Mütter standen plötzlich mit ihren kleinen Kindern allein da und hatten neben der Sorge um das tägliche Brot auch noch die Last der Erziehung allein zu tragen. Höfe und Handwerksbetriebe waren oft ohne Führung. Auch hier mussten oft die Frauen einspringen und haben unbeschreibliches geleistet.

Um den Ausfall an Arbeitskräften in der Heimat auszugleichen, kamen internationale Fremdarbeiter, Gefangene und Zwangsverpflichtete auf Höfe, in Betriebe und Haushalte.

Von den insgesamt 100 Kriegsteilnehmern im Rarbach hatte Sögtrop mit 31 die Meisten, von denen 10 gefallen und 2 vermisst waren.

Kriegsteilnehmer aus Sögtrop:

Paul und Anton Birkenheuer

Josef Bremerich

Johannes Frigge gnt. Engels

Paul, Albert und Ewald Heinemann

Alfons und Aloys Hoppe

Anton und Josef Körneke

Josef Lumme gnt. Deppe

Ferdinand Lumme gnt. Leineweber

Josef, Theodor und Paul Lumme gnt. Schuhmacher

Franz  und Josef Riekes

Johann, Theodor und Franz Schmidt

Wilhelm, Johannes, Anton, Franz und Richard Schörmann

Johannes, Josef, Anton, Bruno und Alfons Sträter

Wilhelm Wüllner

Auf fast allen Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges waren Soldaten aus unserer Gemeinde im Einsatz.  Ob in Frankreich, den Beneluxländern, Skandinavien, Tunesien, Ägypten und sogar auf die Insel Kreta hatte es Rarbacher verschlagen. Schließlich wurden viele noch an die Ostfront und hier besonders in Rußland eingesetzt.

Personenzuwachs im Rarbach

Längst waren auch die Dörfer Mönekind, Niederhenneborn und Sögtop in das Kriegsgeschehen mit einbezogen. Die durch das Henne- und Rarbachtal sich zurückziehenden deutschen Soldaten –von geschlossenen Verbänden konnte nicht mehr die Rede sein – füllten die Häuser auch dieser drei Ortschaften mit abgekämpften und müden Frontsoldaten. Hinzu kamen die vielen flüchtenden Menschen aus den großen Städten, die auf dem Land Unterkunft und Schutz suchten. Auch aus dem nahen Meschede kamen immer mehr Familien, um  sich in unseren Dörfern in Sicherheit zu bringen. Ähnlich wie in den anderen Orten, war auch hier das menschliche Miteinander auf eine harte Probe gestellt.

Schutzräume:

Im August 1940 warfen feindliche Flieger über dem Gebiet der Gemeinde Rarbach Brandplättchen ab. Damit sollte die Ernte geschädigt bzw. vernichtet werden. Das führte zur Aufstellung von nächtlichen Brandwachen. Schließlich begann man in den Dörfern nach geeigneten Schutzräumen Ausschau zu halten. Bevorzugt waren Kellerräume, aber auch alte Stollen und Steinbrüche wurden für diesen Zweck nutzbar gemacht.

Ein Stollen im Teufelsloch sollte z.B. Schutz für 50 Personen bieten. 

Die Sögtroper bauten in einem Siepen an der Straße Richtung Mönekind eine Holzhütte - wenn die Hütte auch letztlich keinen Schutz bot, so war man doch der Meinung, außerhalb des Dorfes relativ sicher zu sein. Schömanns suchten Schutz in der Jagdhütte in der Dellmart.

Mörsebatterie

Eine Mörsebatterie soll am 4.4. über Bödefeld nach Sögtrop gekommen und von dort mit den letzten Benzinreserven nach Plettenberg aufgebrochen sein.

Die Amerikaner antworteten mit heftigen Gegenschlägen, die besonders in Mönekind zu mehreren Toten und Verwundeten führten.

So berichtet der Artillerist aus Sögtrop, dass man ihnen zuletzt statt Mörsermunition Granaten 10,5 cm brachte.

In Mönekind und Sögtrop gab es eine Menge an Granteneinschlägen, die aber nur Sachschäden anrichteten.

Flugzeugabsturz

Im Januar 1945 sprangen zwei deutsche Nachtjäger in Landenbeck mit dem Fallschirm ab. Ihr Flugzeug schlug ganz in der Nähe von Sögtrop in Flüchters Kälberkamp auf und brannte völlig aus. Die wenigen noch im Dorf verbliebenden Männer wurden verpflichtet, die ausgebrannte Maschine zu bewachen. Einige Männer hielten sich aber nicht an diese Anordnung und verweigerten die Bewachung, weil sie sich zuerst ihren Familien verantwortlich fühlten und nicht dem nutzlosen ausgebrannten Flugzeug. Dies führte zu erheblichen Schwierigkeiten mit der örtlichen Gemeindeleitung.

Gelöbnis

In diesen schweren Tagen suchte man immer wieder Trost und Hilfe im Gebet. In Sögtrop führte dies sogar zu einem Gelöbnis, das bis auf den heutigen Tag jeweils in der Woche nach dem Weißen Sonntag eingelöst wird. In einem schriftlichen Gotttesversprechen ist am Weißen Sonntag 1945 folgendes festgelegt worden:

„In großer Kriegsnot, wo schon so viele Städte und Dörfer vernichtet worden sind, und der Kriegslärm sich unserem lieben Heimatort nähert, nehmen wir Einwohner von Sögtrop unsere Zuflucht zu unserem großen heiligen Schutzpatron St. Blasius und bitten ihn um Schutz für unsere Familien und Häuser. Wir stellen uns ganz besonders unter den Schutz der lieben Gottesmutter, der Mutter der Barmherzigkeit und der Patronin gegen Feuersbrunst, der hl. Agatha. Auf ihre Fürbitte möge uns der allmächtige Gott gütig sein und seine strafende Hand von uns abwenden oder wenigstens mildern. Zur Erlangung dieser innigen Bitte wollen wir von heute an eine neuntägige Bußandacht halten, zu den hl. fünf Wunden und mit Gebeten zu obigen Heiligen. Als Danksagung wollen wir für die Gefallenen aus unserem Dorf jedes Jahr in der Woche nach dem Weißen Sonntag eine hl. Messe in der Kapelle feiern, verbunden mit Gebeten zu den genannten Heiligen. Dieser hl. Messe will jede Familie nach Möglichkeit beiwohnen und die hl. Kommunion für die armen Seelen aufopfern. Der barmherzige Gott möge unsere demütige Bitte erhören“.

Das Schriftstück sollte Anfang April 1945 von Haus zu Haus weitergeleitet werden. Wegen der heranrückenden Front gelang dies jedoch nicht mehr, so dass nur sieben Familien unterschrieben haben.

Als die Amerikaner dann am 9. April die drei Ortschaften Mönekind, Niederhenneborn und Sögtrop einnahmen, war jeglicher Widerstand gebrochen. Die Sieger machten sich nun in den Häusern breit. Von Sögtrop aus wurden dann die Orte Herhagen, Nichtinghausen und Erflinghausen unter Beschuss genommen und später besetzt.

Tagebucheintrag A. Körneke

Anton Körnecke aus Sögtrop war 1946 in englischer Kriegsgefangenschaft. Zuvor verbrachte er zwei Jahre in Texas in amerikanischer Gefangenschaft. 1947 kehrte er nach Sögtrop zurück. Faszinierende Details aus dieser Zeit u.a. über die Freundschaft zur englischen Familie Heggs, die ihn 1972 (25 Jahre später) in Sögtrop besuchten, stehen im Bumbacher Nr. 7. Dort wird ebenfalls über Kriegs-Heimweh, die Kraft der Gebete und des Glaubens usw. berichtet.

 

Quelle: Bumbacher Nr. 3-7 / 1991-1995 / Folgen 1-5 /Heimat und Geschichtsverein der katholischen Kirchengemeinde Kirchrarbach e.V.